Mittwoch, 22. April 2015

Wie bemale ich eine Akkustikgitarre oder was man mit Malerei alles anstellen kann ;)

Jaaaaaaaaaaaaaaa, wie bringe ich DIE zwei Dinge zueinander, die ich sehr liebe...

Na so:




Isse nicht scheeeeeeeeeen MEINE Gitarre?! Eigentlich war es ja die von meinem Sohn. Ich habe eine andere, eine schwarze. Da er aber keine Lust mehr hatte, zu spielen und das gut Stück bereits leicht ramponiert hier auf ihr weiteres Schicksal wartete, ließ ich sie reparieren und legte dann selbst Hand an ;)

Hääääää, wie jetzt? Warum Gitarre überhaupt?


Na ja, in der etwas ziemlich schwierigen Zeit jetzt zuvor, konnte ich auch nicht malen.
Es gab Momente, wo ich glaubte, nie wieder einen Pinsel anfassen zu können. Wo sonst Ideen sprudelten, war nur Leere...
Man fragte mich, ob ich denn nicht malen könne, um irgendwie "zu verarbeiten"...
Das tun ja viele. Für viele ist die Suche nach einem Ausgleich, nach einem Ventil, erst der Grund, sich überhaupt der Malerei zuzuwenden.

Bei mir aber gilt das leider nicht. So sehr ich die Malerei auch liebe, ist sie nunmal auch mein Beruf und so 150%- ig kann ich da wohl nie auch von dem letzten Rest Erwartungshaltung frei sein. Also musste etwas Anderes her!

Als Kind spielte ich Gitarre, ließ es aber irgendwann wieder sein, weil eine bleibende Behinderung am linken Arm mir einfach Grenzen setzte (Kennt Ihr die Geschichte eigentlich???)
Jetzt entschied ich mich aber, einfach trotzdem zu spielen. Es muss ja nicht gleich das tollste Stück sein, auch einfache Melodien reichen, einfach etwas anderes Kreatives!

Und meine Rechnung ging auf und ich fand SO sogar zur Malerei zurück!


Meine Gitarre ist meine Insel! Spiele ich Gitarre, bin ich irgendwo anders, der Kopf ist frei, ich bin ganz ruhig, tanke Energie, es gibt nur mich, die Gitarre und den Klang...
Das tat mir SO gut, dass ich dann anfing "mich zu überlisten": 15 Minuten Gitarre spielen, 10 Minuten malen, 15 Minuten spielen, 10 Minuten malen.... das ging. So sahen manche Tage vollständig aus.

Irgendwann fingen die Abstände an, sich zu verschieben, ich konnte länger malen, spielte irgendwann am Anfang eines Bildes und am Ende...



So hat mich die Musik, das Instrument, gerettet

 

Es ist wirklich so und ich kann es nicht anders sagen.
Es gibt dazu noch eine längere Vorgeschichte, aber die erzähle ich Euch ein anderes Mal, das würde jetzt zu lang werden. Ich weiß, Ihr scharrt womöglich schon mit den Hufen, wollt etwas sehen, wie das mit der Malerei funktioniert ;) Mooomentchen noch ;) Danke!

Auf jeden Fall war das Grund genug für mich, der Gitarre ein neues und ganz spezielles Design zu verleihen, mit dem ich ebenfalls viel verbinde.

Nun wird mancher sagen: Hmmm, ich HAB aber gar keine Gitarre und will auch keine! Also man KANN sich ne total billige Gitarre einfach so kaufen und an die Wand hängen, nur zur Deko.

Aber wer das nicht will, nicht braucht, nicht mag, für den ist eben das Spannende: Natürlich funktioniert das auch auf vielen anderen Untergründen so. Ihr könnt das so auf Leinwand umsetzen, auf einer Holzplatte, auf einem Koffer etc etc etc etc.

Das Video dazu findet Ihr HIER und hier im Blog jetzt extra für Euch nochmal die Screenshots mit kleinen Erklärungen dazu. Wenn Ihr Fragen habt, dann fragt gerne in den Kommentaren. Da haben alle etwas davon :)

Also auf Los geht es los :)

 

 

1) Dinge aus Holz müssen angeschliffen werden. Ich nehme dazu einmal grobes Schleifpapier und dann ganz feines. Eine Leinwand muss man natürlich nicht anschleifen und eine unbehandelte Holzplatte auch nicht ;)

2) Schleifstaub entfernen und alle Teile, die nicht bemalt werden sollen, abkleben. Dann einmal in Weiß (ich habe weißes Dekoracryl genommen) grundieren und trocknen lassen. Ich habe dann nochmal geschliffen, weil ich eine ganz glatte Fläche wollte, und nochmals grundiert, weil das Muster der Gitarre noch durchschien.

3) Dann wieder trocknen lassen, schleifen und Schleifstaub wegputzen.



4) Dann reiße ich das Transfermotiv zurecht. Ein Laserausdruck eines Orignals von mir, welches ich per Photoshop noch leicht verändert hatte. Auf die Stelle, wo das Transfer soll, wird dann Transfermedium aufgetragen und auf das Motiv selbst.

5) Motiv auflegen mit der Bildseite nach unten und mit einem stumpfen Kunststoffspachtel (das geht am besten, damit nirgends Blasen sind und alles gleichmäßig fest ist)  festdrücken.

6) Das Ganze gut trocken föhnen. Da ich eine Heißluftpistole genommen habe, wurde das Ganze so heiß, als ich nicht aufgepasst habe, dass zwei Blasen enstanden. Das ist jetzt im Motiv auch zu sehen, dort wo es so leicht verbrannt wirkt. Mir gefällt das aber gut, weil es zum Design passt :) Ihr nehmt evtl lieber einen Fön ;)



7) Danach macht Ihr das Papier mit einem Schwamm nass und könnt es abrubbeln, bis das Motiv zum Vorschein kommt. Es wird danach immer wieder weiß durch einen minimalen Papierschleier. Das ist aber nicht schlimm und verschwindet ganz zum Schluss.

8) Dann habe ich alles mit Tusche in Ocker überarbeitet, teils stark wasserverdünnt, teils nicht. Das Ganze dann wieder trocknen lassen, evtl mit dem Föhn kleine Effekte entstehen lassen.

9) Danach habe ich munter drauf los gesprayt mit verschiedenen Schablonen und 2 Farben: Braun und transparentes Schwarz. Manche Motive komplett, andere nur angedeutet, mal hier lang, mal da lang... übereinander, untereinander.

10) Mit transparentem Schwarz habe ich dann auch von Außen nach Innnen gerichtet den Rand der Gitarre abgedunkelt.



11) Danach habe ich mit dem Acrylmarker in Schwarz noch den Innenrand abgedunkelt und mit dem Finger weich verwischt.

12) Ein weiteres Überarbeiten mit Tusche, um Übergange zu schaffen und weitere Effekte.

13) Dann kleine Effekte und Schriftzeichen mit dem weißen Marker und Lichter innerhalb des Gesichts.




14) Mit schwarzer Inktense Kreide habe ich dann die Haare überarbeitet und mit Wasser vermalt, Überschüsse mit einem Papiertuch wieder abgenommen...

15) Tja und dann das Ganze abschließend mit wasservedünntem Lack und einem weichen Pinsel schützend überziehen. So verschwindet auch der leicht weiße Papierschleier des Transfers endgültig ;)  und DANN :

Traaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaraaaaaaaaaaaaaa FERTIG und FREUDE! 

Nun nur noch neue Saiten drauf und losgespielt!


Hier die Anmerkung, die janz wischtische: Ich habe ALLES, wirklich ALLES getan, was man Holz NICHT antun sollte: Hitze, Wasser, wieder Hitze. Es war völlig unklar, wie sich dies und die anschließenden Farbschichten auf den Klang der Gitarre auswirken würden.
Doch ich ging das Risiko ein, denn bis dahin war es ja "nur die alte Lotte", die auf Ihr Schicksal wartete...
ICH Habe Glück gehabt, behaupte sogar, dass Ihr Klang jetzt noch schöner und weicher ist. WORAN das aber im Einzelnen liegt, ist nicht mehr herausfindbar. Doch meine "Gute" habe ich nun kaum mehr in der Hand, während ich diese heiß und innig liebe!

Macht das aber bitte NICHT mit Eurem guten Instrument, wenn Ihr das Risiko einer nachteiligen Klangveränderung nicht eingehen wollt oder könnt! Dann kauft Euch zum Beispiel einfach auf dem Flohmarkt oder so extra eine Gitarre, die primär erst einmal "nur bemalt" werden soll. Vielleicht habt ja auch Ihr Glück und es entsteht "Euer persönlicher Sound", so wie bei mir.

Wie gesagt, funktioniert das Ganze aber natürlich auch auf vielen anderen Untergründen.

Das Foto von mir mit der Gitarre hat übrigens ein ganz lieber Freund von mir gemacht, der auch viel mit der Geschichte und mit Musik zu tun hat. Dazu ebenfalls ein anderes Mal. Ich bin ihm jedenfalls für dieses Foto sehr dankbar und liebe es auch sehr :) Es ist in einer "Nacht-und Nebelaktion" entstanden, von der ich Euch ein anderes Mal berichte ;)

Bis dahin hier nochmal der Link zum Video für Euch und nun viel Spaß mit Anleitung und Film... :)

Auf die Pinsel oder Seiten fertig los :)

Liebe Grüße,





1 Kommentar:

  1. Hi Isabelle,

    I and my business partner want to take a lesson fro you in November. Can you teach us if we fly to Germany?

    Do you offer workshops?

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